Wer war Heinrich Wolf?

Heinrich Wolf wird am 2.November 1919 am Florinsmarkt 12, im Herzen der Koblenzer Altstadt geboren.

Nach dem Schulbesuch erlernt er das Schlosserhandwerk. Von seinem ersten verdienten  Geld kauft er eine Kamera. Er engagiert sich früh in der Katholischen Jugend und nimmt regen Anteil am kirchlichen Leben in Koblenz. So ist er Sturmscharführer in St. Josef und reist mit anderen über 1.500 Mitgliedern der Sturmschar und der Pfadfinderschaft  1935 nach Rom. Auf der Heimreise werden alle Jugendlichen an der deutsch-schweizerischen Grenze auf Anordnung der Gestapo festgehalten und durchsucht. Alle persönlichen Dinge sowie die Ausrüstung werden beschlagnahmt. Die Weiterreise wird erst nach Protesten aus dem Ausland gestattet. Weitere Drangsalierung und eine Verhaftung durch die Nazis folgen,  er gilt dem nationalsozialisitschen Regime als politisch unzuverlässig, bleibt aber weiterhin in der Katholischen Jugend aktiv.

Von 1938 – 1943 arbeitet er als Maschinenschlosser in Kiel, bis er zur Marine eingezogen wird.

Nach dem Krieg kehrt er nach Koblenz zurück. Die Mutter hat seine geliebte Kamera so gut versteckt , dass sie der Beschlagnahme durch die Besatzungsmacht entgeht. So entstehen die ersten Nachkriegsaufnahmen,  obwohl fotografieren verboten ist und Filme eine Rarität sind.

1949 wird Heinrich Wolf als Vertreter der Jugend in den Vorstand des Katolischen Lesevereins gewählt. Er gestaltet die – Lesebriefe -, die ein enormes Quellenmaterial über den Verein, aber auch über Koblenz enthalten. Nach 25-jähriger Vorstandstätigkeit wird er 1974 zum Ehrenmitglied ernannt.

1954 heiratet er Elisabeth Lux, mit der eine Tochter und vier Söhne hat.

Sein Hobby führt ihn zu seinem zweiten Beruf. Er wird 1957 Fotograf beim Polizeipräsidium Koblenz.

Seit 1949 gehört er der Foto-Arbeitsgemeinschaft der VHS Koblenz an, aus der 1956 der Foto-Club-Koblenz hervorgeht, deren Vorsitzender er bis 1983 ist. In dieser Zeit nimm er erfolgreich an den jährlichen Ausstellungen und Wettbewerben des VDAV teil.

Unter seinem Vorsitz entstehen 1956 die originelle Ausstellung – Fotos auf der Wäscheleine – in den Rheinanlagen und 1962 die Landesfotoschau im Koblenzer Schloss. 1956 erhält er für ein Architekturfoto den Sonderpreis des Deutschen Städtetages. Bei der Internationalen Polizeiausstellung in Hannover 1966 gewinnt er den ersten Preis für die Aufnahme.

Mit dem Foto-Club knüpft er Verbindungen zu den Foto-Clubs der Partnerstädte Haringey/England und Maastricht/Niederlande. 1974 gibt es eine Ausstellung in Haringey und 1979 – Koblenzer sehen Maastricht – Maastricher sehen Koblenz – in der Handwerkskammer  Koblenz. 1975 ist im Mittelrhein-Museum die Ausstellung zum 12-jährigen Jubiläum des Foto-Club-Koblenz mit einer Sonderschau Heinrich Wolfs über Koblenz zu sehen.

Die silberne Treuenadel des VDAV erhält er 1980, die goldene Ehrennadel 1982 bei der Landesfotoschau im Künstlerhaus Metternich. Seine Ausstellung – Koblenzer Karneval – im Mittelrhein-Museum 1982 ist vielen Koblenzern noch in lebhafter Erinnerung.

Seit den 1950er Jahren hält Heinrich Wolf chronologisch den Aufbau und das Zeitgeschehen seiner Vaterstadt im Bilde fest und ist über Jahrzehnte als versierter Chronist und Fotograf ein vielgefragter Mitarbeiter der lokalen und kirchlichen Presse.

In vielen Büchern über Koblenz erscheinen seine Aufnahmen und heimatkundlichen Beiträge.

Für sein gesellschaftliches sowie fotografisches Engagement und Wirken werden ihm 1978 der Altstadtpreis und 1982 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

1983 stirbt er im Alter von 63 Jahren.

Er hinterlässt ein Archiv von über 100.000 Aufnahmen und eine große Sammlung historischer Bilder.

1989 veranstaltet die Stadt Koblenz mit dem Foto-Club-Koblenz und seiner Familie zum 70-jährigen Geburtstag die Ausstellung – Heinrich Wolf – Ein fotografisches Tagebuch 1950 – 1980 -, zu der auch das gleichnamige Fotobuch im Görres-Verlag herausgegeben wird.

Zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Koblenz veranstaltet die Handelskammer Koblenz eine Ausstellung mit Aufnahmen aus dem Archiv Heinrich Wolf.

1997 zum 50-jährigen Bestehen des Landes Rheinland-Pfalz ist er bei  der Fotoschau – 50 Jahre – 50 Bilder – mit drei Aufnahmen vertreten und gewinnt mit der Aufnahme – Eilige Schulaufgaben auf dem Koblenzer Hauptbahnhof –  posthum den ersten Preis des Wettbewerbes.

Bei der Ausstellung des Landesmuseum Koblenz – Was heisst hier Rheinromantik  – 2002 wird seine Aufnahme vom Deutschen Eck von 1958 als Titelbild und Plakatmotiv ausgewählt.

Auch 2008 in der Ausstellung – Bilder machen Leute – der fotografischen Sammlung des Landes Rheinland-Plalz ist er mit einigen Aufnahmen vertreten.

2012 erscheinen eine Vielzahl seiner Aufnahmen in dem Buch – Koblenz so wie es war – von Rudolf Bauer im Droste-Verlag Düsseldorf.

In dem Buch – die 50er Jahre -, das bundesweit von der Naumann & Göbel Verlagsgesellschaft Köln vertrieben wird, erscheinen eine Reihe seiner Aufnahmen.

2013 ist Heinrich Wolf mit einer Aufnahme bei der Ausstellung – the American Way – die USA in Deutschland – des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland vertreten.

Seine BIlder sind in verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.

Unter den Koblenzer Fotografen hat er einen festen Platz und seine persönliche Handschrift in seinen Aufnahmen und seine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt und den Koblenzern Bürgern machen seine Aufnahmen zu etwas sehr Besonderem.

Das Archiv von Heinrich Wolf wird von seiner Familie weitergeführt und steht allen Interessenten unter info@martinwolf.de nach Anfrage zur Verfügung.

1 Comment

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    Hallo,
    es ist sehr schön, diese Vita zu lesen und die Bilder zu sehen. Sehr gerne erinnere ich mich an meinen lieben und angenehmen Onkel, den älteren Bruder meines Vaters. Sein verschmitztes Lächeln erscheint mir wie vorgestern. Ich finde es toll, dass die Bilder gezeigt werden und großes Lob auch an die, die sich diese Arbeit machen, damit diese Zeitzeugen nicht im Archiv verstauben. In meinem Führerschein ist auch noch ein Bild welches von Onkel Heinz gemacht wurde. Das möchte ich keinem zeigen und will auch keiner mehr sehen, was jedoch nicht am Fotograf liegt 😉 LG Werner Wolf

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